24.02.2018, 0°C
  • 13.02.2018
  • von Sybill Mahlke

Robin Ticciati und das DSO: Nachtigallen

von Sybill Mahlke

Musik muss fließen. DSO-Chefdirigent Robin Ticciati. Foto: Fabian Frinzel und Ayzit Bostan

Die pflanzenhafte Bewegung der Musik: Das Deutsche Symphonie-Orchester spielt Bruckner mit Robin Ticciati und Karen Cargill.

Die schönste Art, Bruckner zu spielen, bedeutet für den jungen Maestro Robin Ticciati, das Fließen der Musik zu feiern. Am Pult des Deutschen Symphonie-Orchesters wählt der neue Chefdirigent nach der Vierten nun die Sechste Symphonie des Meisters aus St. Florian. Und seine Interpretation ist Gesang.

Dazu passt die Gestaltung des Programms in der Philharmonie. „Chorale“ (2002) nennt der Finne Magnus Lindberg seine musikalische Auseinandersetzung mit dem Bach’schen Choral „Es ist genug“, der in der Komposition verwischt, durch Übermalung versteckt und befragt wird, bis er sich aus alledem herausschält in seiner Größe.

Damit ist eine Brücke zu Alban Berg gebaut, der den Choral in seinem Violinkonzert „Dem Andenken eines Engels“ gewidmet hat. So steht er auch Lindberg nahe. Aber nicht der späte Berg hat diesmal das Wort wie vorige Woche bei den Philharmonikern mit dem Geiger Leonidas Kavakos, sondern der Komponist der „Sieben frühen Lieder“. Da diese Vertonungen der Gedichte von Lenau, Storm, Rilke und anderen, entstanden während Bergs Lehrjahren bei Arnold Schönberg, erst im Jahr 1928 von ihm orchestriert wurden, haben sie etwas von der Atmosphäre der „Lulu“-Welt in sich aufgesogen. Das dirigiert Ticciati mit Hingabe.

Die Melodie steigert sich ins Unendliche

Und die Solistin ist, nachdem Genia Kühmeier krankheitsbedingt absagen musste, Karen Cargill. Eine beglückende Einspringerin. Die Schottin bettet mit feiner Linearität, viel Einfühlung und süßem Kehlengold ihre Stimme in die Palette der Orchesterfarben: „Das macht, es hat die Nachtigall/Die ganze Nacht gesungen.“ Im Zentrum dann der „Tag der weißen Chrysanthemen“.

Der Beginn der Sechsten Bruckners kommt Ticciatis Musikalität entgegen, weil das Werk nicht in den ersten Takten raunend das Entstehen der Musik aus wesenlosem Dunkel malt, sondern mit breit gezogenem Thema der Celli und Bässe unter Klopfrhythmus der Geigen anhebt. Dieses Maestoso bleibt nun im Fluss, bei flexiblen Tempi im Einklang mit dem sehr engagierten Orchester. Es entsteht ein eher integrierendes als polyphon trennscharfes Klangbild, weniger überraschender Augenblick als in ihrem Wesen pflanzenhafte Bewegung der Musik. Diese Interpretation wird mitreißend, wenn die Melodie sich ins Unendliche zu steigern scheint.

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