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  • 13.02.2018
  • von Bernhard Schulz

DAM-Preis für Architektur: Wohnen wagen

von Bernhard Schulz

Gewinner des diesjährigen Preises. Das Projekt "WagnisArt". Eine Wohnanlage im Norden von Schwabing. Foto: Julia Knop

Der DAM-Architekturpreis will Baukultur in ganz Deutschland fördern. Diesmal geht er an ein Münchner Projekt.

Seit 2007 lobt das Deutsche Architekturmuseum Frankfurt am Main seinen „DAM Preis für Architektur in Deutschland“ aus. Zunächst nominiert das Museum 100 Projekte, aus denen einen Jury die engere Wahl trifft. So ergibt sich eine breite regionale Streuung, und das ist auch der pädagogische Sinn des Preises: anzuregen zu Baukultur, um welche Aufgabe und an welchem Ort auch immer es geht. In diesem Jahr ist eine Wohnanlage prämiiert worden: das Münchner Projekt „WagnisArt“ im Norden von Schwabing; dort, wo der Bezirk nicht ganz so schön ist. Die Anlage, die die Arbeitsgemeinschaft Bogevischs Buero und SHAG Schindler Halbe Architekten entworfen hat, versammelt 138 Wohnungen in fünf durch Brücken verbundenen Häusern auf unregelmäßigen Grundrissen, die ein zugleich geschütztes wie offenes Ensemble bilden. Ein „großes Stadttheater“, so die Architekten – zu sagenhaften Mietpreisen von 5,50 Euro pro Quadratmeter bei Sozialbindung bis zu 13 Euro für den freien Markt.

Die Preisträger und Nominierten, die im Frankfurter Museumsgebäude und seit wenigen Tagen auch im „Deutschen Architektur Jahrbuch“ vorgestellt werden, zeigen ein durchweg hohes Niveau. Wohl jede Bauaufgabe ist vertreten. In die engste Wahl gezogen hatte die Jury auch den Campus der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen am Bodensee vom Berliner Büro as-if Architekten, dann die ob ihrer expressionistischen Handschrift umstrittene Bremer Landesbank der Engländer Caruso St John Architects sowie das Straßenreinigungsdepot Augsburg von Knerer und Lang (München), ein gelungenes Beispiel für den gemeinhin vernachlässigten Kommunalbau.

Pierre Boulez Saal war ebenfalls nominiert

Unter den 18 weiteren Vorhaben der Shortlist befindet sich nur eines in Berlin, der Pierre Boulez Saal von Frank Gehry; aus Berlin hingegen kommt der städtebaulich bedeutende Umbau des Hauptbahnhofs Chemnitz von Grüntuch Ernst. Der Frankfurter Lokalmatador Christoph Mäckler ist mit einem spitzwinkligen, eleganten Geschäftshaus in der Mainmetropole vertreten, dort steht auch der Kompromiss-Umbau des Philosophicums (Ferdinand Kramer, 1960) zum Studentenwohnheim durch Stefan Forster.

Und es gibt die schöne Ballsporthalle im bayerischen Haiming von Harald Fuchshuber/Almannai Fischer aus dem nahen Altötting, die ein flach gedecktes Holzbauwerk errichteten. Dessen Ansicht ist dem Entwurf für das Berliner Museum der Moderne nicht unähnlich. Mit zwei Millionen Euro nur hundertfach preisgünstiger.

Förster/Gräwe/Schmal (Hrsg.):  Deutsches Architektur Jahrbuch 2018. DOM publishers, Berlin 2018. 256 S., 330 Abb., 38 €.

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