16.07.2018, 26°C
  • 12.01.2018
  • von Isabel Herzfeld

Manfred Honeck dirigiert das DSO: Jupiterblitze

von Isabel Herzfeld

Zu Gast in der Philharmonie. Der Dirigent Manfred Honeck. Foto: Felix Broede

Debussy, Fujikura und Beethoven: Manfred Honeck dirigiert das Deutsche Symphonie-Orchester in der Philharmonie.

Am Anfang war der Klang. Das behauptet zumindest Manfred Honeck am Pult des Deutschen Symphonie-Orchesters in der Philharmonie. Mit einem Programm der feinnervigen Beziehungen setzt der derzeitige Leiter des Pittsburgh Symphony Orchestra ganz auf Delikatesse und transparente Farbigkeit. Claude Debussys „Six épigraphes antiques“ markieren vor gut 100 Jahren den Endpunkt eines in Frankreich modischen Antikenkults, der eine eigenständige Antwort auf die Wagnerbegeisterung dieser Zeit bedeuten sollte. Die bukolische Atmosphäre zeichnen Skalen und Harmonien außerhalb des Dur-Moll-Systems, etwa die lydische, von Platon als „lasziv“ gekennzeichnete Tonleiter. Behutsam kolorierte Alan Fletcher 2014 die Originalversion für Klavier zu vier Händen, mit schimmernden Streicherklängen, sanft raunenden Bässen, Hornrufen und natürlich der reichen Holzbläserpalette, geradezu kammermusikalisch-feingliedrig ausgeführt.

Das führt direkt zu Dai Fujikuras Cellokonzert: Das Werk basiert auf einer langen Entwicklung vom Solostück über die Interaktion mit kleinem Ensemble bis zur hier uraufgeführten Fassung mit großem Orchester. Doch fernöstliche Exotik, wie sie bei Debussy aufscheint, bietet der 1977 in Osaka geborene und in London ausgebildete Komponist keineswegs. Die intensiven Orchesterklänge sind durchaus mit allen Wassern der West-Avantgarde gewaschen. Traditionelles enthält allenfalls der von Jan Vogler souverän und klangschön versehene Solopart in furioser Beweglichkeit und einigen fast tonalen Motiven. Reizvoll, wenn Solist und Deutsches Symphonie-Orchester sich in höchster Flageolett-Höhe mischen und eine übernatürliche, fast elektronische Qualität entsteht.

Honeck legt ein reiches Farbspektrum frei

Beethovens dialogische Formklarheit scheint in Widerspruch dazu zu stehen, und gerade der 7. Sinfonie wird vor allem rhythmische Qualität bescheinigt – die „Apotheose des Tanzes“, wie Richard Wagner meinte. Das dionysische Element betont auch Honeck in äußerster Freiheit und Leichtigkeit der raschen Sätze. Zusätzlich jedoch legt er auch hier ein reiches Farbspektrum frei, quasi Beethoven „auf Französisch“. Stets bleibt der Klang weich, elegant, geschmeidig, auch bei den wie Jupiterblitze ins Deutsche Symphonie-Orchester geschleuderten Akzenten. So kann auch das Allegretto nicht schmerzlicher Trauermarsch, sondern allenfalls zarte Elegie sein, und manches von Beethovens humorvollen Verwirrspielen geht im ungestümen Tempo verloren.

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