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  • 08.08.2018
  • von Jan Kixmüller

Ausbau der Universität Potsdam: Uni Potsdam wächst um ein Drittel

von Jan Kixmüller

Die Universität Potsdam erreicht in zahlreichen Rankings Spitzenplätze. Foto: Karla Fritze

Bis zum Jahr 2020 bekommt Brandenburgs größte Hochschule knapp 3500 Studierende und Mitarbeiter hinzu, darunter aich 60 neue Professuren. Das ist auch bundesweit gesehen eine ungewöhnliche Expansion.

Potsdam - Die Universität Potsdam steht vor der größten Expansion ihrer Geschichte. Die vor 27 Jahren gegründete größte Hochschule des Landes Brandenburg wird bis 2020 im Bereich Finanzen und Professuren um etwa ein Drittel wachsen. Wie der Präsident der Universität, Oliver Günther, den PNN im Interview sagte, rechnet die Hochschule in den kommenden Jahren mit einem Zuwachs von weiteren 60 Professuren, bis zu 400 weiteren Mitarbeitern und rund 3000 neuen Studierenden. Aktuell hat die Universität rund 20 000 Studierende. Damit die Studienqualität nicht unter der Erweiterung leidet, soll die Zahl der Studienplätze nur um rund ein Sechstel wachsen. Während seit Mitte der 1990er Jahre Professuren an der Universität abgebaut wurden, wächst die Anzahl seit der Amtsübernahme Günthers im Jahr 2012 wieder stetig. Aktuell hat die Uni rund 300 Professuren. Rund 1360 Festangestellte sowie weitere 1150 aus Dritt- und Sondermitteln finanzierte Wissenschaftler und Mitarbeiter sind an der Einrichtung beschäftigt.

Das starke Wachstum ist auch eine Herausforderung

„Ein Drittel Wachstum ist auch bundesweit eine echte Hausnummer“, sagte Günther den PNN. Ein solches Wachstum sei allerdings auch eine Herausforderung. So müsse die Universität auch 30 Prozent mehr Räume zur Verfügung stellen. Dafür will die Hochschule für eine Übergangszeit Immobilien im Stadtgebiet anmieten, so Günther. Die umfangreichen Bautätigkeiten an allen Standorten der Uni würden für ein Drittel Aufwuchs nicht ausreichen. „Da muss noch einmal neu gedacht werden“, sagte Günther und verwies darauf, dass es beispielsweise im Norden von Golm noch Platzkapazitäten gebe.

Günstige Studentenwohungen sind allerdings rar

Auch beim Thema Wohnen wird es eng. Die steigenden Studierendenzahlen treffen auf eine sehr angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt. Die geplante Eröffnung eines neuen Studentenwohnheims in Golm im Wintersemester 2019/20 alleine wird die Nachfrage kaum bewältigen können. In Potsdam gibt es aktuell insgesamt rund 25 000 Studierende, aber nur 2200 Plätze in den Wohnheimen des Studentenwerks. Erst jüngst hatten in der Landeshauptstadt Studierende für mehr bezahlbaren Wohnraum demonstriert. Die Versorgungsquote liegt derzeit bei unter zehn Prozent, was Vertreter der SPD und der Grünen kritisiert hatten. Brandenburgs Wissenschaftsministerin Martina Münch (SPD) wünscht sich in diesem Zusammenhang eine gezielte Förderung von Studierendenwohnraum über das Bauministerium, wozu es Gespräche gebe.

Mit dem Fortschritt am Standort Potsdam-Golm zeigte sich Uni-Präsident Günther nicht ganz zufrieden. Er bemängelte, dass es dort nicht schnell genug vorangehe. „Die Verdichtung des jetzigen Campus gestaltet sich zäh“, sagte Günther. Der jetzt existierende Raum müsse noch intensiver gestaltet und attraktiver gemacht werden: „Solange die Studierenden in Golm nicht wohnen wollen, haben wir noch nicht gewonnen“. Auch müsse die S-Bahn bis Golm fahren und es eine höhere Zugfrequenz der Regionalbahnen nach Berlin geben.

Das Ansehen der Hochschule wächst auch international

Inhaltlich kann die Universität Potsdam die geplante Erweiterung durchaus unterfüttern. Neben der Jüdischen Theologie, der neuen Ausrichtung der Lehrerbildung und der Inklusionspädagogik waren in den vergangenen zwei Jahren auch Fakultäten für Digitales und Gesundheit hinzugekommen. Das Ansehen der Hochschule wächst, auch international. Die noch junge Potsdamer Alma Mater schnitt in den vergangenen Jahren in Rankings immer wieder gut ab. Erst im Juni dieses Jahres war die Uni im „Times Higher Education“-Ranking (THE) der Universitäten unter 50 Jahren auf einem Spitzenplatz gelandet. Vorausgegangen waren unter anderem Spitzenplätze im CHE-Ranking 2018 in Informatik, Mathematik und Naturwissenschaften, eine gute Einstiegsposition im THE-Ranking vom Vorjahr, eine gute Platzierung im Humboldt-Ranking sowie die erste Platzierung in der weltweiten Rangliste der Jiao-Tong-Universität von Shanghai 2016. „Mit exzellenter Forschung, hervorragender Lehre und einem starken Profil trägt die Universität Potsdam maßgeblich zu Attraktivität, zum Renommee und zur Leistungsfähigkeit des Wissenschaftsstandortes Brandenburg bei“, lautete dann auch die Einschätzung von Wissenschaftsministerin Münch zur Entwicklung der Hochschule.

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Interview: Die Universität in Potsdam steht vor der größten Expansion ihrer Geschichte. Uni-Präsident Oliver Günther über die Herausforderung, 60 neue Proffessuren, rund 400 neue Mitarbeiter und 3000 neue Studierende unterzubringen.

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