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  • 27.06.2018
  • von Michael Burkart

Pflanze des Monats: Naturschutz in Park und Garten

von Michael Burkart

Medizin. Früher wurde die Skabiose zur Bekämpfung der Krätze eingesetzt. Foto: MB

Im Botanischen Garten der Uni Potsdam wachsen exotische und heimische Pflanzen. In den PNN stellt Kustos Michael Burkart jeden Monat eine von ihnen vor. Heute: Die Tauben-Skabiose - sie gilt als stark gefährdet.

Potsdam - In früheren Jahrzehnten in Brandenburg weit verbreitet, ist die Tauben-Skabiose (Scabiosa columbaria) in neuerer Zeit deutlich zurückgegangen und gilt hier heute als stark gefährdet. In Berlin ist sie sogar vom Aussterben bedroht. Erfreulicherweise befindet sich in den Trockenrasen im Park Sanssouci noch eine vitale Population. Skabiosen bilden kleine Rosetten bodennaher Blätter, woraus bis zu einem Meter hohe, verzweigte Stängel sprießen, die im Sommer endständige, lilafarbene Blütenköpfe mit zahlreichen Einzelblüten tragen.

Der Name der Pflanze leitet sich ab von ihrer früheren volksmedizinischen Verwendung: Sie diente zur Bekämpfung der Krätze (lat. Scabies). Inzwischen hat man wesentlich wirksamere Mittel gegen Krätzmilben, die in der menschlichen Haut als Parasiten leben und dort starken Juckreiz auslösen.

Die Tauben-Skabiose kommt bei uns fast ausschließlich in Trockenrasen vor, am liebsten auf kalkhaltigen Böden. Solche Rasen fanden sich früher auf vielen Kuppen und Hügeln der Region, wo sie von Schafen beweidet wurden. Die Tauben-Skabiose gedeiht aber auch in gemähten Trockenrasen. Eine Studie konnte vor einigen Jahren zeigen, dass es sogar spezifische Anpassungen an den Nutzungstyp gibt: Skabiosen von gemähten Flächen haben längere Kopfstiele und blühen deutlich früher als Pflanzen von Weiden.

Schafbeweidung ist der richtige Weg 

Durch den allgemeinen Rückgang der Schafbeweidung sind die Trockenrasen unserer Kuppen und Hügel mit ihren besonderen Lebensgemeinschaften inzwischen rar geworden. Viele Flächen wurden spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg aufgeforstet; ohne Beweidung oder Mahd sind aber auch die meisten anderen in schlechtem Zustand. Die bei fehlender Nutzung über Winter stehenbleibende oberirdische Biomasse bildet bald eine dicke Streuschicht, welche den bodennahen Blättern der Skabiose und auch vieler anderer Pflanzen das Licht nimmt. Darüber hinaus fehlen dann auch kleine, offene Bodenstellen, die die Samen der Skabiose benötigen, um zu keimen und Fuß zu fassen. Beweidung erzeugt solche Stellen durch den Verbiss und Tritt der Tiere.

Es ist daher erfreulich, dass die „Stiftung Preußische Schlösser und Gärten" im Park Sanssouci in diesem Jahr wieder Schafbeweidung einführt, auch wenn die sonst praktizierte Mahd das Überleben der Tauben-Skabiose offenbar ebenfalls gewährleistet hat. Es gibt aber auch die Möglichkeit, der Tauben-Skabiose und weiteren seltenen Trockenrasenarten im eigenen Garten eine Heimstatt zu bieten: Das Projekt „Urbanität & Vielfalt“ sucht dafür noch Pflanzenpaten (die Teilnehmerliste ist allerdings schon ziemlich voll). Die Pflanzenausgabe findet am kommenden Sonntag, dem 1. Juli, von 11 bis 16 Uhr, im Hof Maulbeerallee 3 des Botanischen Gartens statt. Teilnahmekosten werden nicht erhoben. Im Herbst sollen dann mit einer koordinierten Aktion Pflanzen zurück in die Natur gebracht werden. Von eigenmächtigen Ausbringungen wird hingegen dringend abgeraten. 

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Weitere Termine im Botanischen Garten: Freitag, 6.7,. 19 Uhr: Sinnlicher Abend „Gartenlust – Gartengenuss“ mit dem Ensemble KlangArt und Steffen Ramm. Sonntag, 8.7., 15 Uhr: „Fleischfressende Pflanzen mit Fütterung“ für Kinder ab 6. Sonntag, 15.7., 15 Uhr: „Der Duft des Sommers - Zitrusduftpflanzen“ mit Verkostung

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