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  • 09.05.2018
  • von Corinna Micha

Universität Potsdam: Eine Schule, die weit ins Leben reichen soll

von Corinna Micha

Schule als sozialer Raum. Annika Buchholz plädiert für Ganztagsbetreuung. Foto: CM

Uni-Absolventin Annika Buchholz wurde mit nur 33 Jahren Leiterin eines neu gegründeten Gymnasiums. In den vergangenen zwei Jahren hat sie das Hannah-Arendt-Gymnasium von Grund auf gestaltet. Auch Eltern und Schüler dürfen dort mitbestimmen

Mehr als 20 000 junge Menschen studieren an der Universität Potsdam. Was einige von ihnen nach dem Abschluss machen, stellen die PNN in einer Serie in Kooperation mit der Universität vor.

Kurz nach dem Einzug kommt erst einmal ein Zettel mit dem neuen Namen an die Tür: „Hannah-Arendt-Gymnasium“ stand im September 2017 an der Glastür eines Potsdamer Schulkomplexes. Annika Buchholz hatte sich jeden Morgen über die provisorischen Hinweisschilder gefreut: „Wir waren endlich angekommen“, sagt die Lehrerin. Hinter ihr lag eine spannende Zeit: Mit nur 33 Jahren war sie Schulleiterin eines neu gegründeten Gymnasiums geworden.

Aufgrund wachsender Einwohnerzahlen hatte die Stadt Potsdam ein neues Gymnasium in Potsdam-West geplant. „Sonst war eigentlich wenig vorgegeben“, sagt Buchholz heute. Für sie war die Ausgangssituation reizvoll: „Ich konnte hier alles mitbestimmen. Vom Kollegium bis hin zur Hausordnung – hier kann ich Schule so gestalten, wie ich sie mir wünsche.“ Das Handwerkszeug für diese große Aufgabe haben der Brandenburgerin zwei Studiengänge an der Universität Potsdam mitgegeben.

Von 2002 bis 2008 studierte Buchholz Mathematik und Physik auf Lehramt in Potsdam; nach ihrem Vorbereitungsdienst fand sie hier auch die erste feste Stelle. Sechs Jahre lang lehrte sie an der Potsdamer Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportschule. „In dieser Zeit ist der Wunsch gereift, nicht nur zu unterrichten“, sagt Buchholz. Sie formulierte ein vorsichtiges Ziel: „Oberstufenkoordinatorin oder stellvertretende Schulleiterin, das wollte ich irgendwann einmal sein.“

Passend zu ihren Karriereplänen beginnt sie 2015 ein weiterbildendes Studium im „Schulmanagement“. Die einjährige berufsbegleitende Weiterbildung im „Institut zur Weiterqualifizierung im Bildungsbereich an der Universität Potsdam“ – kurz: WIB e.V. – ist für die Akademikerin eine wertvolle Ergänzung zur Lehrtätigkeit: „Personalgespräche führen, mit dem Schulamt zusammenarbeiten, Qualitätsmanagement vorantreiben – das lernt man im normalen Schulalltag einfach nicht.“

Schneller als gedacht kann die Brandenburgerin ihre neuen Kompetenzen einbringen. Der Schulrat der Stadt Potsdam fragt 2015 unter seinen Schulleitern nach Empfehlungen für die neue Leitungsposition: Ihr damaliger Chef schlug Buchholz vor. Die Naturwissenschaftlerin war überrascht: „Aber dann habe ich mir gedacht, wenn andere das in mir sehen, dann muss ich doch mal prüfen, ob ich das nicht tatsächlich kann.“ Das Schulamt entscheidet sich tatsächlich für sie, in einem „ziemlich unbürokratischen Prozess“, wie die Schulleiterin heute lobend erwähnt.

Im Sommer 2016 nimmt die damals namenlose Schule die ersten 84 Schüler in drei Klassen auf. Fünf Lehrer hat Buchholz ausgesucht und eine grundlegende Entscheidung getroffen: Ihr Gymnasium soll eine wirtschaftlich-politische Ausrichtung bekommen. Geplant sind Exkursionen, überdurchschnittlich viele Stunden im Fach Politik und Wirtschaft als Wahlpflichtfach. Der Schwerpunkt ermögliche viele Entwicklungsperspektiven, findet sie: „Ich will eine Schule, die weit hineinreicht in das Leben, das die Kinder umgibt.“

Damit das gelingt, hat sich Buchholz auch für das Konzept der offenen Ganztagsbetreuung starkgemacht. Schule sei schließlich auch sozialer Raum und Lebensort: „Wir wollen mehr Verbindlichkeit von den Schülern und dass sie diese Schule mit uns leben wollen.“ Bis maximal 14.45 Uhr dauert der Schulunterricht, danach stehen Rugby, Yoga oder Hausaufgabenbetreuung zur Auswahl. Dass das Angebot von rund 80 Prozent der Schüler angenommen wird, war abzusehen: „Wir haben im Vorfeld bereits Eltern und Schüler in die Planung miteinbezogen und nach ihren Wünschen gefragt.“

Auf Demokratie und Mitbestimmung setzte die Potsdamer Uni-Absolventin auch bei der Wahl eines Schulnamens. Rund ein Jahr dauerte der Prozess, in dem Kollegen, Eltern und Schüler Vorschläge sammelten und bewerteten. Die Wahl fiel auf die Publizistin Hannah Arendt. „Endlich mal ein Frauenname“, sagt Annika Buchholz. Seien Frauen doch bei der Namensgebung für Gymnasien stark unterrepräsentiert.

Zum Namen kam im Sommer 2017 dann endlich auch ein Schulgebäude. Im ersten Jahr ihres Bestehens fand die Neugründung Obdach in drei Schulräumen eines anderen Oberstufenzentrums. Dann konnten die inzwischen sieben Klassen mit ihren 13 Lehrern einen ganzen Trakt im Schulzentrum in der Haeckelstraße beziehen. „Endlich Platz und Gestaltungsmöglichkeit“, sagt Annika Buchholz. Nach den vielen Veränderungen der Anfangszeit hat die Schulleiterin nun ein pragmatisches Ziel: „Wir wollen hier erst mal ankommen, uns wohlfühlen und uns sichtbar machen.“ Corinna Micha

Annika Buchholz hat von 2002 bis 2008 an der Universität Potsdam Mathematik und Physik auf Lehramt an Gymnasien studiert. Von 2015 bis 2016 schloss sie dort ein weiterbildendes Studium für Schulmanagement an

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