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  • 07.02.2018
  • von Jan Kixmüller

Restitution von NS-Raubgut: Späte Heimkehr

von Jan Kixmüller

Übergabe. Berl und David Schor (r.) betrachten das betagte Werk. Foto: Bastian Wiesemann

Die Universität Potsdam gibt ein zur Zeit des Nationalsozialismus verschwundenes Buch den Erben der Eigentümer zurück. Das „Große Buch der Gebote" ist fast 500 Jahre alt.

Potsdam. Die Provenienzforschung an der Universitätsbibliothek Potsdam trägt erste Früchte. Ein in der Zeit des Nationalsozialismus vor 75 Jahren abhanden gekommenes Buch aus der Gelehrtenbibliothek der Familie Schor-Fraenkel konnte nun an die Erben Berl und David Schor übergeben werden. Bei dem Werk handelt es sich um ein fast 500 Jahre altes gedrucktes Buch aus dem Jahre 1547 von Moses Ben Jacob: „Sefer Mitsvot ha-gadol“ („Großes Buch der Gebote“).

Das Buch war durch den Ankauf der Gelehrtenbibliothek von Yehuda Aschkenasy aus Amsterdam in den Bestand der Potsdamer Universitätsbibliothek gelangt. Im Rahmen des seit 2014 laufenden Provenienzforschungsprojektes an der Bibliothek konnten bislang zahlreiche Provenienzmerkmale identifiziert und einige Bücher erfolgreich restituiert werden. Im aktuellen Fall identifizierten die Wissenschaftler ein Autogramm von Nathan Fraenkel sowie Stempel von Jacob und Berl Fraenkel aus Tarnow. Die Ergebnisse wurden in der Provenienzforschungsdatenbank LCA veröffentlicht, wo die Erben in Israel sie schließlich entdeckten.

Möglich wurde die Rückgabe durch das vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderte Projekt zur Provenienzforschung an der Potsdamer Unibibliothek. Über 5000 Judaika werden darauf geprüft, ob sie einst von den Nazis ihren Besitzern entwendet wurden. Was heute an Judaika im Bestand der Bibliothek ist, kam durch Ankäufe und Schenkungen zusammen.

In dem Fall des nun zurückgegebenen Buches habe es sich um einen durch die Nationalsozialisten verursachten Verlust gehandelt, erklärte Andreas Kennecke von der Potsdamer Uni-Bibliothek gegenüber den PNN. Die Familien Fraenkel und Schor stammen nach den Angaben der Erben aus Stryi (heute Ukraine) beziehungsweise Krakau und Tarnow in Polen. Berl Fraenkels Tochter Mila lebte mit ihrem Mann Majer Schor in Krakau und erbte die Bibliothek ihres Vaters. Da die beiden die türkische Staatsbürgerschaft besaßen, seien sie vor dem Zugriff der Nazis geschützt gewesen und hätten anderen Verfolgten im Untergrund helfen können. Doch 1942, als der türkische Generalkonsul in Berlin die Verlängerung ihrer Pässe ablehnte, verloren sie ihren Schutz. Durch einen befreundeten Polizisten gewarnt, konnte die Familie untertauchen und ihre Bibliothek zuvor in Sicherheit bringen. Dabei half ihnen der Orientalistik-Professor Tadeusz Kowalski, der die Bücher in der Bibliothek der Krakauer Jagiellonen-Universität versteckte.

Nach sieben Monaten im Untergrund wurden Mila und Majer Schor entdeckt, verhaftet und am 8. Juli 1943 im Konzentrationslager Plaszow bei Krakau ermordet. Die Bibliothek überstand den Krieg im Keller der Krakauer Universitätsbibliothek. Der Sohn der Besitzer der Bücher, Berl Schor, überlebte den Holocaust und emigrierte über Neuseeland nach Israel. Hierhin ließ er die Familienbibliothek, die inzwischen nicht mehr vollständig erhalten war, überführen. Das Buch der Gebote schien verloren. Nun ist das hochbetagte Werk dank der Nachforschungen der Potsdamer Universität in seine ursprüngliche Bibliothek zurückgekehrt. Jan Kixmüller

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