16.01.2018, 5°C
  • 11.01.2018
  • von Jan Kixmüller

Wissenschaft in Potsdam startet ins neue Jahr: Geoforscher nehmen Klima und Energiewende in den Fokus

von Jan Kixmüller

Erkenntnisse für die Nachwelt. Am Potsdamer Geoforschungszentrum hat der Fotograf Horst Wackerbarth im vergangenen Jahr zum 25. Jubiläum des Instituts Wissenschaftler des Hauses porträtiert. Für das Projekt „Mensch, Erde!“ kostümierte sich GFZ-Forscher Thomas Gerber als Hermann von Helmholtz und posierte mit einem Kind aus der Telegrafenberg-Kita. Seinen Stock stützt er auf die Atomuhr, die früher das Zeitsignal für die DDR erzeugte. Foto: Horst Wackerbarth für das GFZ

Das Geoforschungszentrum Potsdam ist in Stadt, Land und international zu gewichtiger Größe herangewachsen. Zum neuen Jahr will man auch Fragen von Klimaschutz und Energiewende untersuchen.

Potsdam - Wenn etwas unter der Erde passiert, weiß man es in Potsdam sofort. Die Magnitude des starken Erdbebens vor der Küste von Honduras lief am frühen Mittwochmorgen über die Messgeräte des Deutschen Geoforschungszentrums auf dem Telegrafenberg (GFZ). Einige Stunden später kommen die Forscher des Instituts, das mittlerweile in Potsdam, Deutschland wie auch weltweit zum global Player der Erdwissenschaften avanciert ist, zum Neujahrsempfang zusammen. Dabei ist nicht nur das Erbeben in Mittelamerika Thema. Sondern vor allem auch das, was das gewichtige Haus mit derzeit rund 1250 Mitarbeitern aus über 60 Ländern, Kooperationen mit 76 Nationen und einem Jahresetat von rund 110 Millionen Euro im neuen Jahr und darüber hinaus leisten will. Und das ist viel.

Millimetergenaue Vermessung der Erde aus der Luft

Nachdem just in der Nacht zu Heiligabend einer der Satelliten der Grace-Mission nach rund 15 Jahren in der Erdatmosphäre verglühte, steht bereits im Frühjahr der Start der folgenden Grace-Mission an. Ziel ist die weitere millimetergenaue Vermessung der Erde aus der Luft, was bereits das knubbelige Abbild des Erdschwerefeldes hervorgebracht hat – bekannt als „Potsdamer Kartoffel“. Unter anderem konnte durch diese Satelliten auch ein massiver Wasserverlust im Colorado River Basin festgestellt werden. „Ein bemerkenswertes Ergebnis“, sagt GFZ-Vorstand Reinhard Hüttl. Grace ist nur eine von vielen Satellitenmissionen, an denen die Potsdamer beteiligt sind. So senden die Copernicus-Satelliten täglich rund 20 Terabyte (!) Vermessungsdaten in die Rechner auf dem Telegrafenberg, das Bild der Erde wird so genau, dass sich sogar Absenkungen einzelner Mülldeponien feststellen lassen. Ein weiterer Satellitenstart für das Projekt Eumap ist für 2020 geplant.

Verborgenes Leben unter der Erde

Aber natürlich schauen die Geoforscher auch tief unter die Erde. Etwa bei einem Projekt in den Alpen, das zeigen soll, wie sich die Erdplatten dort genau bewegen. 150 Messstationen rund um den Brennerpass zwischen Österreich und Italien sollen erklären, warum die Erdplatten sich hier offenbar nicht gleichmäßig bewegen – und welche Folgen das haben kann. In Potsdam selbst werden in diesem Jahr Laborräume für geomikrobiologische Forschung errichtet, Ziel ist dabei, das verborgene Leben unter der Erde und dessen Potenziale zu erkunden. Das 13 Millionen Euro teure Gebäude soll 2020 fertig sein – und zusammen mit dem Bezug des ehemaligen Umweltministeriums durch GFZ-Forscher endgültig Entspannung bei der beengten Raumsituation des Instituts schaffen.

Zu einem zentralen Projekt des GFZ ist auch die Speichertechnologie geworden. Ein Feldversuch in Ketzin hatte gezeigt, dass sich das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) zumindest unter den dortigen geologischen Gegebenheiten speichern lässt. Und die Klimaziele werden wohl nicht ohne das umstrittene CCS-Verfahren möglich sein, weiß auch Hüttl. Hinzu komme die Speicherung von überschüssiger Wärme oder Kälte im Untergrund – entweder im großen Maßstab bei Überkapazitäten aus Wind und Sonne in Gasform oder unter Gebäuden – wie beim Berliner Reichstag seit Jahren schon praktiziert.

Der Untergrund als zentrales Element der Energiewende

Speicher-Kapazitäten sind laut Forschung genug vorhanden: allein in alten Gas- und Ölspeichern sei Platz für rund 2,7 Milliarden Tonnen Gas. „Das reicht für die nächsten Dekaden“, so GFZ-Forscher Axel Liebscher. „Der Untergrund ist ein zentrales Element der Energiewende“, sagt Hüttl – auch mit Blick auf Erdwärmeforschung in Groß Schönebeck. Wenn er auch weiß, dass die öffentliche Akzeptanz nicht immer gegeben ist. Hier sei die Wissenschaft gefragt, mit Auf- und Erklärung. Zu den Berliner Koalitionsverhandlungen sagt er, dass es absolut notwendig sei, das CO2-Thema in den Griff zu bekommen. Dafür brauche es eine Gesamtsicht des Erdsystems. Und daran arbeite das GFZ. 

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