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  • 04.10.2017
  • von Corinna Micha

Auf dem zweiten Bildungsweg ins höchste Gericht

von Corinna Micha

Aufsteiger. Falk Bernau wurde mit nur 43 Jahren Richter am Bundesgerichtshof. Foto: UP

Nach Lehre und Abendschule entschied sich Falk Bernau für ein Jurastudium. Heute ist er Richter am Bundesgerichtshof

Mehr als 20 000 junge Menschen studieren an der Universität Potsdam. Was einige von ihnen nach dem Abschluss machen, stellen die PNN in einer Serie in Kooperation mit der Universität vor.

In seinem Karlsruher Büro ist Falk Bernau umgeben von Türmen. Überall auf dem Boden stapeln sich Akten, die der 43-Jährige bearbeiten muss. Schnell wird das nicht gehen: „Was hier beim Bundesgerichtshof ankommt, ist inhaltlich schon ziemlich vertrackt“, erklärt der promovierte Jurist. Im März 2015 wurde er zum Richter am Bundesgerichtshof gewählt und arbeitet seit Anfang 2017 im II. Zivilsenat, der für das Gesellschaftsrecht zuständig ist.

Das oberste Gericht der Bundesrepublik ist die letzte Instanz bei Zivil- und Strafverfahren. Fälle, die dort landen, haben schon mehrere Instanzen durchlaufen und bringen eine entsprechend umfangreiche Dokumentation mit sich. Das hat Auswirkungen auf den Arbeitsalltag: „Überwiegend ist es eine sehr einsame und konzentrierte Arbeit am Schreibtisch und in der Bibliothek“, sagt Bernau. Doch die Arbeit begeistert ihn: „Wir können hier das Recht weiterentwickeln.“

Der Weg ins höchste bundesdeutsche Gericht verlief für den 43-jährigen Absolventen der Potsdamer Uni nicht geradlinig. Nach der mittleren Reife absolvierte er zunächst eine Lehre als Landmaschinenmechaniker. Durch die Wiedervereinigung waren die Pläne des jungen Mannes aus Sachsen-Anhalt durcheinander gebracht worden. Parallel zu der Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker besuchte er fortan die Abendschule, um das Abitur nachzuholen. Zwei Jahre lang geht es für ihn nach jedem Arbeitstag ins Klassenzimmer, oft bis 22 Uhr. „Das war wirklich hart. Ich weiß gar nicht mehr, wie ich das geschafft habe“, sagt Bernau zurückblickend. Ohne große Beharrlichkeit hätte er es 1990 nicht einmal zum Abitur geschafft.

An seine handwerkliche Ausbildung erinnert sich der Jurist dennoch gerne: Diese Arbeit mache ihm noch heute Spaß. Für das elterliche Grundstück hat Bernau seinerzeit Tore und Türen geschweißt. „Jedes Mal, wenn ich die sehe, freue ich mich. Die werden in 20 Jahren auch noch da sein und diese Gewissheit finde ich sehr befriedigend.“ Für ein ganzes Berufsleben reichte seine Begeisterung für das Handwerk aber nicht aus, 1995 entscheidet er sich deshalb für ein Studium an der Universität Potsdam.

Auf Jura kommt der 21-Jährige eher zufällig, doch dass seine Wahl richtig war, zeigt sich schnell am Erfolg. Das erste juristische Staatsexamen legt Bernau mit der Note „gut“ ab und wird damit der beste Jura-Absolvent des Landes Brandenburg. Ein Geheimnis steckt hinter diesem Ergebnis nicht, eher Ausdauer und Beharrungsvermögen: „Ich habe vom ersten Semester an kontinuierlich mitgearbeitet“, erinnert er sich. Schwer sei ihm das nicht gefallen – im Gegenteil. An den Wochenenden arbeitete Bernau in seinem Ausbildungsberuf oder als Gerüstbauer. „Da haben mir am Montag oft alle Knochen wehgetan und ich war froh, dass ich wieder in die Uni konnte.“

Für das zweite Staatsexamen wechselt Bernau nach Magdeburg und wird auch dort Landesbester. Sogar die Doktorarbeit – für die er nach Potsdam zurückkehrt – wird eine Spitzenleistung: Für die beste juristische Promotion im Jahr 2004 an der Universität Potsdam erhält er den Wolf-Rüdiger-Bub-Preis.

Von 2003 bis 2008 arbeitet der Jurist als Richter auf Probe im Bezirk des Oberlandesgerichts Celle, wird nach verschiedenen Tätigkeiten als Richter und Staatsanwalt in der niedersächsischen Justiz 2008 am Landgericht Hildesheim zum Richter auf Lebenszeit ernannt. Dort erhält eine große Chance: Als wissenschaftlicher Mitarbeiter wird er zuerst an den Bundesgerichtshof, später an das Bundesverfassungsgericht abgeordnet. Die Arbeit dort beeindruckt ihn von Anfang an: „Es ist kein Massengeschäft wie am Amts- oder auch Landgericht. Man kann in die Tiefe gehen und komplexe Angelegenheiten gründlich aufarbeiten.“

Im März 2015 wählt der Richterwahlausschuss sechs neue Richter für den Bundesgerichtshof. Mit dabei: Falk Bernau. Mit nur 43 Jahren ist der Potsdamer Alumnus einer der jüngsten unter den 128 Richtern des obersten bundesdeutschen Gerichts. Fachkollegen brechen ob dieses Lebenslaufes gerne in Begeisterung aus. Bernau bleibt bescheiden und lässt sich dann doch ein Lächeln entlocken: „Naja, sagen wir mal, die Personalentwicklung ist in meinem Fall abgeschlossen.“ Corinna Micha

Falk Bernau hat von 1995 bis 1999 an der Universität Potsdam Rechtswissenschaften studiert und von 2002 bis 2003 an der Universität Potsdam promoviert

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