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  • 09.08.2017
  • von PNN

Evolution der Elefanten: Stammbaum der Elefanten korrigiert

von PNN

Europas Riese. Der Waldelefant hatte eine Schulterhöhe von vier Metern. F.: Karol Schauer

Genomforscher Hofreiter entschlüsselt Herkunft der Europäischen Waldelefanten. Und korrigiert die bislang geltenden Annahmen über die Evolution der Dickhäuter.

Potsdam - Einst streiften auch durch Europa Elefanten. Die Europäischen Waldelefanten waren mit einer Schulterhöhe von vier Metern die größten ihrer Art – doch ihr nächster Verwandter ist nicht, wie bisher angenommen, der Asiatische, sondern der Afrikanische Elefant – die kleinste der noch lebenden Elefantenarten.

Zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Forscherteam um den Paläogenetiker Michael Hofreiter von der Universität Potsdam und Matthias Meyer vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig in einer neuen Studie, mit der alle bisherigen Entwürfe vom Elefantenstammbaum umgeschrieben werden müssen. Denn wie die Forscher um Hofreiter, der in Potsdam eine Professur für Allgemeine Zoologie und Evolutionäre adaptive Genomik innehat, feststellten, ist die Evolution der Elefanten deutlich anders verlaufen, als bisher angenommen wurde.

Grundlage für die neuen Ergebnisse, die nicht nur in der Fachwelt für eine Überraschung gesorgt haben, sind Stammbaumanalysen der DNA-Sequenzen von Elefanten. Aus insgesamt vier Fossilien des Europäischen Waldelefanten konnten die 21 Forscher aus Europa und den USA DNA-Sequenzen gewinnen.

Europäischer Waldelefant größer als Afrikanische Savannenelefanten

Neben den drei heute noch existierenden Arten, dem Asiatischen Elefanten, dem Afrikanischen Savannen- und dem Afrikanischen Waldelefanten, sind weitere, bereits ausgestorbene Arten bekannt. Dazu zählen das Mammut und die Zwergelefanten der Mittelmeerinseln – und eben der Europäischen Waldelefant. Der war von etwa 100 000 Jahren ausgestorben, wie die Wissenschaftler berichten. Er hätte sogar den Afrikanischen Savannenelefanten überragt. Dass er bislang als naher Verwandter des Asiatischen Elefanten eingestuft, teils sogar der gleichen Gattung zugeordnet worden war, beruhte allein auf der Analyse der Form der Knochen. Bislang sei es aber wegen des hohen Alters der Fossilien von mindestens 100 000 Jahren nicht möglich gewesen, DNA-Sequenzen des Europäischen Elefanten zu analysieren.

Die älteste Probe, die nun vom Team um Hofreiter analysiert wurde, ist etwa 240 000 Jahre alt und stammt aus einer Fundstelle im thüringischen Weimar-Ehringsdorf, wo schon Überreste des Neandertalers gefunden wurden. Die übrigen drei Funde eines Europäischen Waldelefanten sind etwa 120 000 Jahre alt. Sie stammen aus einer der bedeutendsten europäischen Fundstellen für Fossilien aus der letzten Zwischeneiszeit, dem Baufeld Neumark Nord in Sachsen-Anhalt. Den Wissenschaftlern gelang es, das Genom zu isolieren. Die gewonnen Daten gehören den Angaben zufolge zu den ältesten DNA-Sequenzen überhaupt, die bisher analysiert werden konnten. 

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