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  • 18.05.2017
  • von Jan Kixmüller
Update

Universität Potsdam: Oliver Günther bleibt Uni-Präsident

von Jan Kixmüller

Optimistischer Sieger. Oliver Günther (2.v.l.) sieht nach seiner eindeutigen Wiederwahl gute Jahre auf die Potsdamer Universität zukommen. Foto: Andreas Klaer

Oliver Günther wurde als Präsident der Universität Potsdam wiedergewählt. Kaum war er im Amt bestätigt, machte er sich bereits an die Umsetzung seiner neuen Pläne.

Potsdam - Am Ende ging alles ganz schnell. Die elf Stimmen der Senatorinnen und Senatoren waren rasch eingesammelt, ausgezählt wurde öffentlich. Wer einen guten Platz im Senatssaal der Universität Potsdam ergattert hatte, konnte sehen, wie der Stapel mit Stimmen für Oliver Günther immer weiter wuchs. Nur ein Zettel landete daneben: eine Enthaltung, zehn der elf Stimmen galten dem alten und damit neuen Präsidenten der Universität Potsdam. Der musste draußen warten, doch als ihn der Senatsvorsitzende Uwe Hellmann mit zwei Blumensträußen in der Hand zur Verkündung des Ergebnisses rief, war klar, dass es gut für ihn ausgegangen war. Günther dankte für das Vertrauen, das ihm entgegengebracht wurde: „Ich freue mich sehr auf die kommenden sechseinhalb Jahre an dieser tollen Universität.“ Brandender Applaus, Standing Ovations.

Günther bezeichnete Präsidentenjob als Traumberuf

Seine fast einstimmige Wiederwahl im ersten Wahlgang war so eindeutig wie die vorangegangene Anhörung. Eloquent, gut im Stoff, souverän und durchaus auch mit etwas Humor hatte Günther eine Stunde lang seine Pläne erläutert und Fragen beantwortet. Schnell war klar, dass hier jemand antritt, der über die nächsten Wochen hinaus denkt, dass hier einer kann und will – aber auch nicht unbedingt muss. Im Vorfeld hatte Günther gegenüber den PNN den Präsidentenjob als Traumberuf bezeichnet. Sollte er aber nicht gewählt werden, warte eine Professur für Wirtschaftsinformatik in Potsdam auf ihn: „Auch ein wunderbarer Beruf.“ Entsprechend entspannt schien Günther, der doch alle Baustellen der Hochschule kannte, alle Sorgen zu entkräften versuchte und beiläufig auf Erreichtes hindeutete, ohne damit zu prahlen.

Die drei großen Baustellen nach seinem ersten Amtsantritt – Finanzen, Forschungsmüdigkeit und ein Wahrnehmungsproblem der Uni – sieht Günther mittlerweile als bewältigt. Bei den Finanzen sei mit der rot-roten Landesregierung eine erste Trendwende geschafft, in der Forschung steht die Uni mit zahlreichen Graduiertenkollegs und der Bewerbung zur Exzellenzinitiative bestens da. Und auch die Sichtbarkeit der Hochschule sei deutlich gewachsen.

Pläne für brandenburgweite Fakultät für Gesundheitswissenschaften

Doch sich auf Erreichtem auszuruhen ist Oliver Günthers Sache nicht. Und so gab er der Hochschule gleich ein ganzes Bündel an neuen Vorhaben mit auf den Weg, von einer brandenburgweiten Fakultät für Gesundheitswissenschaften bis hin zum personellen Ausbau, Qualitätssteigerung in der Lehre und möglicherweise wachsenden Studierendenzahlen. Gleich in mehreren Bereichen dürften in naher Zukunft jeweils ein Dutzend neue Professuren entstehen – und zwar ohne dass andere Stellen dafür wegfallen müssten. Zur Umsetzung seiner Pläne sei er fest entschlossen, sagte Günther und dass er die Hochschule „auf gutem Kurs“ sehe.

Dass die nächste Landtagswahl erst 2019 stattfindet, bedeute nicht, dass man die Hände in den Schoß legen könne. Günther kündigte an, sich bereits jetzt um weitere Aufwüchse bei den Mitteln für die Hochschulen einzusetzen: „Nicht um goldene Wasserhähne an der Universität zu installieren, sondern um das Land Brandenburg weiter voran zu bringen.“ Die derzeit um fünf Millionen Euro jährlich steigenden Landesmittel für Hochschulen könnten nach seiner Vorstellung in Zukunft um zehn bis 20 Millionen im Jahr ansteigen. Wichtig sei, dass sich diese Dynamik fortsetze. Denn: „Die Investitionen in die Universität sind direkte Investitionen in die Zukunft des Landes.“

„Wir sind nicht mehr die kleine Uni vor den Toren Berlins"

„Wir wollen die positive Entwicklung der vergangenen 25 Jahre seit der Gründung der Universität fortsetzen“, sagte Günther nach seiner Wiederwahl. „Wir sind nicht mehr die kleine Uni vor den Toren Berlins, sondern mit unseren 20 000 Studierenden eine recht große und forschungsstarken Universität.“ Die Stärken der Potsdamer Forschung sieht Günther unter anderem an der Schnittstelle von Geo- und Biowissenschaften, in den Kognitionswissenschaften, in der angewandten Mathematik – und in der „sehr starken, innovativen Lehrerbildung und Bildungsforschung“.

Direkt nach der Wahl blieb Günther gleich im Senat sitzen. Keine Pause, keine Nabelschau, sondern Ärmel hochkrempeln und weiter machen. Getreue seinem Motto „nach der Wahl ist vor der Wahl“ wollte Günther offenbar keine Minute der kostbaren Zeit verlieren. Schließlich warten viele neue Aufgaben.

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Die Wiederwahl Oliver Günthers ist ein Glücksfall für die Uni und die Stadt Potsdam. Ein Kommentar.

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Hintergrund: Kritik am Wahlverfahren

Der 55-jährige Oliver Günther wechselte 2012 für das Präsidentenamt von Berlin nach Potsdam. Zuvor war er Dekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität, wo er seit 1993 Professor für Wirtschaftsinformatik war. Günther war nun als einziger Kandidat ins Rennen um das Spitzenamt gegangen. Vorausgegangen war erstmals in Brandenburg eine Auswahl der Findungskommission des Landeshochschulrates. Der Studierendenausschuss Asta der Uni Potsdam hält das neue Landesverfahren zur Wahl der Hochschul-Präsidenten für problematisch. „Die Findungskommission arbeitet intransparent und repräsentiert die Vertreter der Universitäten nur minimal“, hieß es. Der Asta fordert daher die Abschaffung der Findungskommissionen in ihrer jetzigen Zusammensetzung: „Diese sind derzeit weder unabhängig, noch werden alle Statusgruppen der Universitäten repräsentiert."

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