25.05.2017, 19°C
  • 20.04.2017
  • von Jan Kixmüller

Potsdamer Studentenfilmfestival Sehsüchte 2017: Hautnah dran

von Jan Kixmüller

Frisch, mutig, jung: Rund 50 Filmstudenten organsisieren das Festival. Die Sehsüchte-Jury von 2017 ist recht prominent besetzt. V.l.: Pune Djalilehvand (Rahmenprogramm), Jakob Erwa (Kurzfilm), Jamila Wenske (Spotlight Produktion), Stefan Babuliack (Presse), Sarah Hoffmann (Gesamtkoordination) und Malte Henning (Programm). Foto: Andreas Klaer

Unter dem Motto "Oberfläche" startet kommende Woche das Potsdamer Studentenfilmfestival Sehsüchte. An fünf Tagen werden 130 Filme gezeigt.

Potsdam - Haut, ganz nah ist die Kamera dran. Haare, die sich aufrichten: Gänsehaut! Der Trailer zum diesjährigen Potsdamer Studentenfilmfestival Sehsüchte spielt mit dem Festival-Motto „Oberfläche“. Wir sehen, was passiert, wenn uns etwas unter die Haut geht. So wie beispielsweise auch der Film „Watu Wote“. Der 21-minütige Spielfilm von der Hamburg Media School (Regie: Katja Benrath) zeigt mit drastischer Konsequenz die Konfliktlinien der heutigen Zeit. Eine junge Christin begibt sich in Kenia auf eine dreitägige Busreise in den Norden des Landes. Ihr Kind und ihr Ehemann waren zuvor von Islamisten getötet worden. Als der Bus von der islamistischen Al-Shabaab Terrormiliz überfallen wird, scheint auch ihr Ende nahe.

Doch der Film, der auf einer wahren Begebenheit beruht, nimmt eine ganz unerwartete Wendung. Die Muslime im Bus, die die Christin zuvor argwöhnisch beäugt haben, ziehen ihr einen Schleier über, verstecken sie und fordern die Terroristen heraus. Sie konfrontieren sie mit der Unsinnigkeit ihrer Bedrohung. Der Bus entkommt, die junge Frau überlebt, doch der Islamlehrer, der sie beschützt hat, wird angeschossen und stirbt einige Wochen später. Die Geburt seines Kindes konnte er nicht mehr miterleben.

Über 1000 eingereichte Filme mit einigen Überraschungen

Die unerwartete Wendung in dieser Geschichte war Malte Henning und seinen Kommilitonen vom Programmteam des Festivals besonders aufgefallen. Solche Überraschungen waren es, die unter anderem mit darüber entschieden, ob einer der über 1000 eingereichten Filme ins Festivalprogramm übernommen wurde. Wenn eine Darstellung zu drastisch ausfiel, gab es intensive Diskussionen, erzählt der Student der Medienwissenschaften. Doch es gab auch Filme, bei denen man einfach nur glücklich beseelt zurückgeblieben sei. „Keine Riesengeschichten, kein Dramen – einfach nur gute Filme“, sagte Henning bei der Pressekonferenz zum Festival.

Am kommenden Mittwoch startet das 46. internationale Studentenfilmfestival Sehsüchte an der Filmuniversität Babelsberg. An fünf Tagen werden 130 Filme aus 32 Ländern an der Hochschule und im fx-Center zu sehen sein: für Filmfreunde, für Studierende aus aller Welt und für die Filmbranche. Für das Potsdamer Publikum wird es zusätzlich kostenlose Vorführungen am 1. Mai im Filmmuseum geben. Für die ausgewählten 130 Filme besteht die Chance, einen der zehn Preise im Gesamtwert von 40 000 Euro zu ergattern – eine Auszeichnung, die mittlerweile in der Filmbranche etwas gilt. Schirmherr des diesjährigen Festivals ist kein Geringerer als der Potsdamer Regisseur Andreas Dresen, der einst selbst an der Babelsberger Hochschule seinen Abschluss gemacht hat.

Große Themen, oft im Kleinen erzählt

Inhaltlich knüpfen die Nachwuchsfilme an den Vorjahren an. Neben dem studentischen Dauerthema Beziehungen hat die Programmgruppe in diesem Jahr auch viele Filme zu Integration, Flüchtlingen, aber auch zu Wünschen, dem Leben und dem Tod gesichtet. „Die ganz großen Themen, die oft im Kleinen erzählt wurden“, sagt Programmmacher Malte Henning. Und die großen Themen werden nicht nur für die Großen erzählt. So wird beispielsweise der Holocaust in einem Film im Kinderblock kindgerecht erarbeitet. Und im Jugendblock werden die Heranwachsenden unter anderem auch mit dem Thema Homosexualität konfrontiert. Einen besonderen Filmtipp hat Malte Henning für das Wochenende: Am Samstag (29.4.) wird es im Filmblock „Haarig“ unter anderem auch um die weibliche Beinbehaarung gehen. „Das wird sicherlich sehr, sehr schön“, sagt der Filmstudent mit einem Augenzwinkern.

Die Jurys sind auch diesmal wieder recht prominent besetzt. Anne Frank-Darstellerin Lea Van Acken und Timm Thaler-Darsteller Arved Friese sind in der Jugend-Jury vertreten, Nachwuchsschauspielerin Lana Cooper („Love Steaks“, „Tiger Girl“) entscheidet mit über das beste Drehbuch. „Frisch, mutig und jung“, fällt das Urteil von Jurymitglied Jakob M. Erwa über die diesjährigen Kurzfilme aus. „Sie haben eine Freude und Leichtigkeit beim Ausprobieren“, sagt er. Jamila Wenske (Jury Produktionspreis), die selbst an der Babelsberger Hochschule studiert hat, hat getreu dem Motto des Festivals den Blick auch unter die Oberfläche gerichtet: „Ist ein Geheimnis dahinter oder der große Abgrund unserer eigenen Vorurteile?“

Das 46. Potsdamer Studentenfilmfestival "Sehsüchte" vom 26. April bis 1. Mai steht in diesem Jahr unter dem Motto "surfaces". Eine Auswahl von Werken aufstrebender Filmschaffender wird um mehr als zehn verschiedene Preise konkurrieren. Das ganze Programm des Festivals.

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