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  • 08.03.2017
  • von Jan Kixmüller

Hochdruck durch fettiges Essen: Risiko-Gen lässt Blutdruck steigen

von Jan Kixmüller

Selbst messen – ein Blutdruckmessgerät gehört in die Hausapotheke.Foto: Lübke/dpa

Potsdamer Ernährungswissenschaftler haben herausgefunden, dass fettiges Essen den Blutdruck in wenigen Wochen ansteigen lassen kann. Offenbar gibt es Menschen, die dafür besonders anfällig sind.

Potsdam - Fettiges Essen lässt den Spiegel des den Blutdruck regulierenden Enzyms ACE im Blut innerhalb von sechs Wochen ansteigen. Das konnten Wissenschaftler in einer Zwillingsstudie unter Führung des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) in Bergholz-Rehbrücke nun erstmals zeigen. Zudem erkannten die Forscher, dass Träger einer bestimmten ACE-Genvariante auf eine Ernährung mit einem hohen Anteil gesättigter, also ungesunder Fette mit einer Blutdruckerhöhung reagieren. Die Ergebnisse wurden unlängst in der Fachzeitschrift „Journal of the American Heart Association“ (JAHA) veröffentlicht.

ACE steht für Angiotensin-konvertierendes Enzym, das hauptsächlich von Zellen des Lungen-, aber auch des Fettgewebes gebildet wird und blutdrucksteigernd wirkt. „Unsere Studie ist die erste, die zeigt, dass unabhängig von einer Körpergewichtsveränderung eine fettreiche Ernährung innerhalb kurzer Zeit die ACE-Spiegel im Blut um rund 15 Prozent ansteigen lässt“, erklärt die Erstautorin Rita Schüler. Das zweite wichtige Ergebnis der Ernährungsforscher ist, dass nicht alle Menschen in gleicher Weise auf eine hohe Zufuhr gesättigter Fette reagieren. „Eine Beobachtung, für die eine bestimmte Variation im Erbgut verantwortlich ist“, so Schüler.

Blutdruckmedikamente lassen sich möglicherweise durch eine spezielle Diät ersetzen

„Unsere Erkenntnisse belegen erstmals, dass die Ernährung in Abhängigkeit des ACE-Gens die Blutdruckregulation direkt beeinflusst“, sagt der Studienleiter Andreas F. H. Pfeiffer. Auf Grundlage der Ergebnisse könne in Zukunft eine Basis für personalisierte Ernährungsempfehlungen erstellt werden. Sollten sich die Ergebnisse auch in weiteren Studien bestätigen, sei es auch denkbar, dass man das ACE-Gen ähnlich wie den Stoffwechselmarker LDL-Cholesterin als neuen Biomarker verwendet. Ein hoher ACE-Spiegel im Blut könne Mediziner auf ein erhöhtes Risiko eines Patienten hinweisen.

Neben LDL-Cholesterin könne ACE ein weiteres Bindeglied zwischen Fettzufuhr und der Entstehung von Herz-Kreislauf-Krankheiten darstellen. Auch könnte Trägern der Risiko-Genvariante zu einer fettarmen Ernährung geraten werden. Da ACE-Hemmer zu den gängigsten Blutdruckmedikamenten zählen, könnte man sie bei Patienten, die an der unteren Grenze für Bluthochdruck liegen, möglicherweise durch eine spezielle Diät ersetzen.

Die Probanden mussten reichlich fette Milch- und Fleischprodukt essen

Die Wissenschaftler hatten 46 gesunde, normal- und übergewichtige Zwillingspaare untersucht, da sich an Zwillingen besonders gut genetische Effekte nachweisen lassen. Zu Studienbeginn mussten die Probanden zunächst für sechs Wochen eine Diät mit hohem Kohlenhydratgehalt und einem geringen Fettgehalt einhalten. Danach schloss sich eine sechswöchige fettreiche Diät an, bei der die Teilnehmer einen deutlich höheren Anteil gesättigter Fette – reichlich fettreiche Milch- und Fleischprodukte wie Butter, Sahne, Speck oder Wurst – verzehrten. Die Energiezufuhr während der unterschiedlichen Diäten blieb annähernd gleich. Die Teilnehmer nahmen nur sehr geringfügig zu, was keinen Einfluss auf die ACE-Werte im Blut hatte. Im gesamten Zeitraum wurden verschiedene klinische Untersuchungen vorgenommen und die gewonnenen physiologischen Daten analysiert. „Die Analyseergebnisse weisen auf eine starke Wechselwirkung zwischen der Ernährung, dem ACE-Gen und dem Blutdruck hin“, so das Fazit der Forscher.

Bei der Risiko-Gen-Variante stieg bei fettreicher Diät der ACE-Spiegel doppelt so hoch an

Die Ergebnisse der Studie eröffnen der Wissenschaft nun auch einen neuen Einblick in die molekularen Mechanismen, die dazu führen, dass eine hohe Aufnahme vor allem gesättigter Fette ungünstige Effekte auf den Blutdruck und damit auf das Entstehen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben kann. Die Studie habe zudem gezeigt, dass Träger der Risiko-ACE-Genvariante bereits vor einer fettreichen Diät höhere ACE-Spiegel im Blut hatten. Zudem stiegen im Vergleich zu den anderen Studienteilnehmern bei den Trägern der Risikovariante unter der fettreichen Diät die ACE-Spiegel doppelt so hoch an. Personen dieser Gruppe hatten nach der fettreichen Diät Blutdruckwerte, die um durchschnittlich 9 mmHg höher lagen als bei Vergleichspersonen.

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