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  • 01.03.2017
  • von Heike Kampe

Potsdamer Geoforscher untersuchen die Anden: Nicht nur Steine im Gepäck

von Heike Kampe

Die Potsdamer Geoforscher bei ihrer ersten Anden-Exkursion unter der „Puente del Diablo“. Foto: Wera Schmidt/UP

Unterwegs in den Anden: Potsdamer Geoforscher untersuchen derzeit in Argentinien die Entwicklung des Hochgebirges.

Potsdam - Sie machen sich auf den Weg, um sich aus nächster Nähe jene Phänomene, Spuren und Zeichen in der Landschaft anzuschauen, mit denen sie sich als Wissenschaftler intensiv auseinandersetzen: Zwölf Nachwuchswissenschaftler des internationalen Graduiertenkollegs „Strategy“ sind in dieser Woche gemeinsam mit weiteren Forschern der Universität Potsdam und des Deutschen Geoforschungszentrums (GFZ) zu einer Forschungsreise in die Anden Argentiniens aufgebrochen. Die Geowissenschaftler werden neun Tage lang 1500 Kilometer mit dem Bus und zu Fuß im Hochgebirge unterwegs sein. Sie werden Spuren von Hangrutschen und Bergstürzen, Gletschertälern, Vulkanen, Erosionsmustern und die Faltenwürfe des Gebirges in den Blick nehmen. Und sich mit ihren Kollegen der argentinischen Partneruniversitäten sowie der einheimischen Bevölkerung austauschen.

Bereits 2016 hatte sich die Gruppe, die seit anderthalb Jahren im Graduiertenkolleg gemeinsam forscht, in die Anden begeben. Ihre Erlebnisse werden sie nun wieder in einem Reisetagebuch festhalten, das auch online zugänglich ist (www.uni-potsdam.de). Während die vergangene Exkursion die Forscher ins nordwestliche Vorlandbecken der Anden führte, wo sie dem Wetterphänomen El Niño auf der Spur waren, liegt das Reiseziel diesmal weiter südlich und schließt die geologisch spektakuläre Region rund um den höchsten Berg des amerikanischen Kontinents – den knapp 7000 Meter hohen Aconcagua – ein. Die geomorphologische und glaziale Entwicklung von der Präkordillere bis nach Chile und den höchsten Erhebungen der Anden ist diesmal der Mittelpunkt der Reise. Angst vor der Höhenkrankheit haben die Teilnehmer nicht: „Gegen die Kopfschmerzen und die Müdigkeit hilft Koka-Tee“, weiß der Geowissenschaftler Professor Uwe Altenberger. Schließlich hat sich das Rezept bereits bewährt. Auch die Passierbarkeit der Reiseroute, die durch wenig besiedelte Gebiete führt, ist abgesichert: Sämtliche Straßen sind mit Bussen befahrbar, wie eine Vorexkursion gezeigt hat.

Junge Forscher mit verschiedenen Perspektiven

Die Potsdamer Doktoranden stammen aus Deutschland, Frankreich, China, dem Iran, Spanien, Kolumbien und den USA. Im Fokus ihrer Promotionsprojekte steht die Frage, wie tektonische, klimatische und sedimentologische Prozesse die Bildung von metallischen Rohstoffen und Kohlenwasserstoffen beeinflussen. Die jungen Wissenschaftler gehen aus unterschiedlichen Perspektiven an diese Fragestellungen heran. Schließlich ist auch ihr wissenschaftlicher Hintergrund divers: Unter ihnen sind Atmosphärenforscher, Geomorphologen, Geophysiker und Modellierer. Marisa Repasch aus den USA untersucht etwa, wie Starkregenereignisse den Transport von Sedimenten beeinflussen. Melanie Lorenz beschäftigt sich dagegen mit Seltenen Erden. „Ich gucke mir Steine an“, sagt Melanie Lorenz. Doch vor allem interessiert sie der Inhalt der Steine, den sie mit bloßem Auge nicht bestimmen kann. Erst die Analyse im Labor verrät ihr, wo und in welchen Mengen die begehrten Metalle vorkommen. „Es geht dabei nicht um den Abbau der Rohstoffe“, betont Henry Wichura, der das Graduiertenkolleg koordiniert. „Wir wollen verstehen, welche Gebirgsbildungsprozesse ablaufen und durch welche Prozesse Seltene Erden angereichert werden.“

Wie auch andere Teilnehmer der Exkursion, wird Melanie Lorenz die Gelegenheit nutzen und länger in Argentinien bleiben. Sie will sich der geowissenschaftlichen Feldarbeit widmen und Proben für ihr Forschungsprojekt sammeln. Mehr als 100 Kilogramm Gestein hat die Wissenschaftlerin im vergangenen Jahr aus den Anden mitgebracht. „Ob meine Proben Seltene Erden enthalten, erfahre ich erst nach einigen Monaten, wenn die Laborergebnisse vorliegen“, erklärt sie.

Nach Deutschland bringen die Forscher Daten, Gesteinsproben - und Rotwein

Für den Geologen Christian Meeßen ist die Tour in die Anden eine besondere Gelegenheit, sein Forschungsgebiet tatsächlich einmal in Augenschein zu nehmen. Denn der 30-Jährige forscht sonst fast ausschließlich am Computer und modelliert mit mathematischen Formeln, die geologische Prozesse abbilden, die Beckenbildung in den Anden. „Wie sieht das Gebiet, das man sonst nur aus der Literatur kennt, in echt aus?“ Diese Frage wird er nach der Exkursion beantworten können. Die Reise in der Gruppe sei zudem für alle eine gute Möglichkeit, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken und sich mit den Themen der anderen zu beschäftigen.

Wenn sie nach Deutschland zurückkehren, werden sich im Gepäck der Wissenschaftler nicht nur jede Menge Daten, Eindrücke und Gesteinsproben finden. „Die Region um Mendoza ist berühmt für ihren Rotwein“, erklärt Uwe Altenberger. Bekanntlich sei die Qualität von Rotwein eng mit den Bodeneigenschaften verbunden – Grund genug auch für Geowissenschaftler, die ein oder andere Flasche zu verkosten. 

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