14.08.2018, 24°C
  • 10.08.2018
  • von G. Janicke (dpa)

Melonen aus der Mark

von G. Janicke (dpa)

Wassermelonen, Physalis und Süßkartoffeln geht es in der tropischen Hitze in Brandenburg gut

Velten - Melonenzeit in Brandenburg: In Velten (Oberhavel) nördlich von Berlin gedeiht die Frucht wegen der Hitze besonders gut. „Zum ersten Mal kann ich richtig ernten“, sagte Landwirt Attila Puszti am Donnerstag. Er ist nach eigenen Angaben der einzige, der in Brandenburg professionell Melonen im Freiland anbaut. Vor drei Jahren kam er auf die Idee und gab dafür seinen Beruf als Konditor auf. „Wir sind zufrieden. Das Wetter spielte mit. Die Früchte sind süß und gut gewachsen“, sagte er.

Kulturen, die eigentlich aus südlichen Ländern stammen, finden zunehmend auch in Deutschland ihren Platz. Wassermelonen, Süßkartoffeln und Physalis werden mittlerweile professionell – wenn auch noch vereinzelt – angebaut. „Wir haben bald italienische Verhältnisse“, sagte Andreas Jende, Geschäftsführer des Gartenbauverbandes Berlin-Brandenburg. Ein wenig Risiko sei immer dabei, ehe es auch wirtschaftlichen Erfolg für den Gemüse- oder Obstbauer gebe. Betriebe sollten ihre Nischen suchen und etwas anbauen, was nicht zum regulären Sortiment der Supermärkte gehöre.

„Tomaten sind erst seit 1920 in Deutschland heimisch, Kiwi tauchten in den 1980er Jahren erstmals in Südfrankreich auf“, sagt Rudolf Vögel, Vorstandsmitglied im Verein zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen in Greiffenberg (Uckermark). Man müsse aber trotz heißer Sommer auch immer an die Gefahr von Spätfrösten denken, die alles zunichte machen könnten. Vögel hatte vor Jahren mit historischen Honigmelonensorten für den Verein gearbeitet – allerdings im Gewächshaus.

„In meiner Familie wurden immer Melonen angebaut“, sagte der gebürtige Ungar Puszti, der ein etwa 20 000 Quadratmeter großes Grundstück bearbeitet. Es brauchte einige Versuche bis zum Erfolg in dieser Saison. „120 Sorten probierte ich aus“, sagte er. Dann sei in Serbien extra eine Kreuzung für märkische Verhältnisse kreiert worden. Über Monate musste er zuvor Temperaturen, Niederschläge, Lichtverhältnisse und die Bodentemperaturen genau messen. Die Samen werden verwahrt im Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung in Gattersleben (Sachsen-Anhalt). Dort sind in Kühlhäusern auch die Samen von rund 700 weiteren Melonensorten aus aller Welt. Regelmäßig wird im Freiland oder Gewächshaus ausgesät, um wieder frische Samen zu erhalten.

Puszti verkauft seine Früchte direkt am Feldrand. „Der Ertrag wäre noch besser bei mehr Regen“, sagte er. Er rechnet mit einem Verlust von 30 Prozent. Das Gesamtergebnis kann er noch nicht schätzen: „Ich bin aber zufrieden.“ Die Veltener Melonen sind rund oder länglich, das Fruchtfleisch knallrot bis leicht rosa. Und Puszti plant schon weiter: „Ich überlege, ob es vielleicht auch mit Kakifrüchten oder Mangos klappt.“G. Janicke (dpa)

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