21.06.2018, 21°C
  • 13.06.2018
  • von Sylvia Vogt

Streit um Gehalt und Arbeitsbedingungen: Etliche Lehrer verlassen jüdische Schulen in Berlin

von Sylvia Vogt

Ein Klassenzimmer der Heinz-Galinski-Grundschule in Charlottenburg auf einem Foto von 2009. Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Es geht um Geld und unterschiedliche Bezahlung: Viele Lehrkräfte werden das Jüdische Gymnasium Moses Mendelssohn in Mitte und die Heinz-Galinski-Schule in Charlottenburg verlassen.

An den jüdischen Schulen hat sich der Konflikt über die Arbeits- und Gehaltsbedingungen der Lehrkräfte offenbar zugespitzt. Nach Angaben der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) wird zum Ende des Schuljahres rund ein Drittel der Lehrkräfte das Jüdische Gymnasium Moses Mendelssohn in Mitte verlassen, an der Heinz-Galinski-Schule in Charlottenburg hätte rund die Hälfte der Lehrkräfte zum Sommer gekündigt – dem Vernehmen nach rund zehn Lehrer. Von Eltern hört man, dass sie sich um die Zukunft der Schulen sorgen. Manche fragen sich, ob es gelinge, angesichts des allgemeinen Lehrermangels das Personal zu ersetzen. Einige würden überlegen, ihre Kinder abzumelden.

Konflikt schwelt seit 2014

Hintergrund ist ein Konflikt, der seit mindestens 2014 besteht. Immer wieder haben seitdem Lehrkräfte gestreikt, zuletzt im Dezember. Die GEW hat den Schulträger, die Jüdische Gemeinde Berlin, wiederholt vergeblich zu Tarifverhandlungen aufgefordert. Die Gewerkschaft fordert ein Vergütungssystem, das sich am Tarifvertrag für die Berliner Landesbeschäftigten orientiert, und außerdem mehr Transparenz: An beiden Schulen würden Lehrer auch bei vergleichbarer Tätigkeit und Ausbildung unterschiedlich bezahlt – nach welchen Kriterien, wisse man nicht.

Nach den letzten Warnstreiks habe die Jüdische Gemeinde eine Gehaltserhöhung angekündigt, die für viele Lehrkräfte aber keine Verbesserung dargestellt hätte und rund sieben Prozent unter dem Tarifvertrag des Landes gelegen habe, sagte GEW-Tarifexperte Udo Mertens.

Konkreter Auslöser für die jüngsten Kündigungen sei dann wohl ein Brief des Gemeindevorsitzenden Gideon Joffe an die Lehrkräfte gewesen. Darin habe er sie aufgefordert, das Angebot anzunehmen, andernfalls empfehle er ihnen, sich eine andere Schule zu suchen.

Die Jüdische Gemeinde ging auf Anfrage nicht inhaltlich auf die Äußerungen der GEW ein, sprach aber erneut von „Unverständnis“ über die "einseitige, ja obsessive Fixierung" der GEW auf die Schulen der Jüdischen Gemeinde.

Social Media

Umfrage

Die Einengung der Zeppelinstraße in Potsdam hat im Zuge der Dieseldebatte bundesweit Interesse geweckt. Ist die Maßnahme nötig, um ein Dieselfahrverbot in Potsdam zu verhindern? Stimmen Sie ab!