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  • 14.02.2018
  • von Jonas Lages

"Welt"-Korrespondent seit einem Jahr in Haft: Autokorso und Lesung für Deniz Yücel in Berlin

von Jonas Lages

Ein Jahr nach seiner Inhaftierung demonstrieren Prominente und Freunde in Berlin für die Freilassung von Deniz Yücel. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Mit einem Autokorso und einer Lesung bekunden Freunde und Prominente zum Jahrestag der Festnahme ihre Solidarität mit dem deutsch-türkischen Journalisten.

Gut 30 Wagen haben sich am Mittwochabend an der Arena Berlin, vor den Toren Kreuzbergs versammelt. Mit einem „Autokorso der Herzen“ erinnern die Demonstranten an den ersten Jahrestag der Inhaftierung des Journalisten Deniz Yücel durch die Türkei.

Und der Name ist Programm an diesem Abend: An allen Autos hängen Ballons in Herzform, auf denen man das Gesicht des Inhaftierten sieht. Auf den Postern der Demonstranten liest man: „Journalismus ist kein Verbrechen“.

Eine der Demonstrantinnen ist die Berlinerin Rita Stresemann. Es sei an der Zeit, wieder auf die Straße zu gehen, sagt sie. „Ich protestiere gegen die gravierenden Menschenrechtsverletzungen in der Türkei.“ Sie wolle ein „Zeichen der Solidarität“ mit den dort inhaftierten Journalisten setzen.

Auch der Kreuzberger Martin Heither ist an diesem Abend gekommen, um für Yücels Freilassung zu demonstrieren. An sein Fahrrad hat er eine Flagge mit „Free Deniz“-Slogan montiert. Und das nicht zum ersten Mal: „Mir war leider klar, dass ich sie nicht nur einmal gebrauchen werde“, sagt er. Er ist nun bereits das vierte Mal bei einer Demonstration für den deutsch-türkischen Journalisten dabei. „Ich erwarte mir von der Aktion, dass der Druck auf die Bundesregierung steigt, mehr für Yücel zu tun.“

Um 17 Uhr startet die einstündige Protestfahrt – lautstark mit Hupen und Geklingel. Sie führt über den Hermannplatz, den Oranienplatz und das Schlesische Tor, um vor dem Festsaal Kreuzberg zu enden. Dort wird mit einer Lesung die Veröffentlichung von Yücels neuem Buch „Wir sind ja nicht zum Spaß hier“ gefeiert. Die Sammlung seiner Texte der letzten dreizehn Jahre hat Yücel selbst zusammengestellt und um Stücke ergänzt, die er im Gefängnis geschrieben hat. Vorgelesen werden sollen die Texte an diesem Abend von Prominenten: der Sänger Herbert Grönemeyer und die Journalistin Anne Will haben sich angekündigt.

Und der TV-Frau gefällt es offensichtlich: „Es ist mir eine echte Freude und große Ehre, hier zu sein“, sagt sie. Wir sind zwar nicht zum Spaß hier, wie das Buch wunderbarerweise heißt, aber wir haben doch erkennbar viel Freude.“

Die Journalistin Doris Akrap liest derweil eine Mitteilung Yücels vor, der sich bei seinen Unterstützern bedankt und erklärt, er mache sich keine Sorgen: „Für manches lohnt es sich zu kämpfen.“ Weiter schreibt er: „Mit Sorge allein kommt man nicht weit."

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