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Themenschwerpunkt:

Rechtsextremismus

  • 09.05.2017
  • von René Garzke

Kriminelles Netzwerk in Fanszene von Energie Cottbus: Cottbus im Griff der Rechten

von René Garzke

Montage: Andreas Klaer / Foto: Fotolia

Neonazi-Hooligans verbreiten unter den Anhängern des FC Energie Cottbus ein Klima der Angst. Recherchen von PNN und rbb belegen: Es geht um die Macht im Stadion und darüber hinaus.

Bei kaum einem Spiel hängt noch ein Banner, nur selten wird noch ein Fangesang angestimmt: Große Teile der Fanszene von Energie Cottbus leben in Angst. Beobachter sprechen von einem Schweigekartell. Darüber reden will niemand. Zu groß ist die Furcht vor eindeutigen Bedrohungen, vor Angriffen, vor Gewalt.

Gemeinsame Recherchen von PNN und rbb zeigen nun das gesamte Ausmaß der Lage in Cottbus, das Klima der Angst: Unter den Augen der Sicherheitsbehörden haben die beiden Gruppen Inferno Cottbus und Unbequeme Jugend Cottbus ein kriminelles Netzwerk aufgebaut. Gemeinsam bedrohen sie gemäßigtere Fangruppen, versuchen sie einzuhegen und mit Gewalt zu dominieren. In einem internen Fanforum spricht der offizielle Fanbetreuer Jens Petereins Klartext: „Eine Gruppe verbietet allen anderen, ihr Fandasein auszuleben und droht mit Konsequenzen. Die Drohungen sind derartig kriminell und ernst zu nehmen, dass es kein Wunder ist, dass es keine Fahnen und keinen organisierten Support gibt.“

Besonders gefährlich sei die Lage außerhalb des Stadions, sagt ein Energie-Fan, der seit 15 Jahren in der Fanszene aktiv ist. „Cottbus ist überschaubar, eine Bedrohungslage in dieser Stadt deutlich zu spüren.“ Seinen Namen möchte er deswegen nicht in der Zeitung lesen. „Wann immer jemand im Internet auf die Vorfälle aufmerksam macht, macht er sich persönlich zur Zielscheibe“, warnt der Fan.

Die Polizei benötigt Zeugenaussagen

Seit Jahren haben der Verfassungsschutz und die Polizei die beiden Gruppen auf dem Radar, von einem Geflecht aus Neonazis, Kampfsportlern, Rockern und Hooligans ist die Rede. Ungefähr 50 bis 60 Personen sollen es sein. Im Stadion dürfen sie ihre Gruppensymbole schon länger nicht mehr offen zeigen. Inferno Cottbus hatte antisemitische Symbole präsentiert, der Verein verhängte vor vier Jahren ein Auftrittsverbot. Dennoch besuchen die Gruppenmitglieder weiter regelmäßig Spiele von Energie Cottbus, immer wieder kommt es dabei zu Ausschreitungen und rechtsextremistischen Vorfällen.

In Sicherheitskreisen heißt es nun, Inferno versuche zu seiner alten Stärke zurückzufinden, um die Jahrtausendwende prägte die Truppe das Image von Energie Cottbus. Ein Sprecher des Brandenburger Innenministeriums sagt, es handele sich um „das aktuell schwerwiegendste Problem im Brandenburger Fußball“. Ein Szenebeobachter sagt: „Hier geht es eigentlich nicht mehr um Fußball, sondern um eine sich etablierende rechte Mafiastruktur, die sich das Stadion als Bühne und Rekrutierungsfeld gekapert hat.“ Der Polizei aber sind die Hände gebunden: Für eine effektive Strafverfolgung, klagt eine Sprecherin, fehlten bislang die Zeugen – die sich aus Angst vor weiteren, härteren Attacken nicht melden. (Mit Alexander Fröhlich)


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