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  • 06.01.2017
  • von Robert Ide

Wochenende mit Wehrlager

von Robert Ide

Foto: dpa

Holm gibt Auskunft zu seiner Stasi-Schulung

Berlin – In der Debatte um seine Vergangenheit meldet sich der umstrittene Berliner Bau-Staatssekretär Andrej Holm nun noch einmal selbst zu Wort. „Ich habe an keinen fortlaufenden Schulungen für die Stasi teilgenommen und es gab auch keine regelmäßigen Treffen mit einem Kaderoffizier“, sagte Holm am Donnerstag dieser Zeitung. Er könne sich vielmehr nur „an ein Wochenende mit paramilitärischen Übungen wie im Wehrlager, Vorträgen und Filmen zur ,Roten Kapelle’ und zu Günter Guillaume erinnern“, führte Holm aus. Guillaume war der bekannteste West-Spion der Stasi.

Wie berichtet wird aus den Stasi-Akten von Holm, die die Stasi-Unterlagenbehörde am Mittwoch für Medien freigegeben und aus der diese Zeitung zitiert hatte, deutlich, dass es eine Art Vorbereitungskurs für den angehenden Stasi-Offiziersschüler Holm beim staatlichen Jugendverband FDJ gegeben hat – in Vorbereitung auf seine Offizierslaufbahn in der Stasi-Bezirksverwaltung Berlin (BV Berlin). Darüber ist in den Akten zu lesen: „Im Rahmen der Aktivitäten im FDJ-Bewerberkollektiv der BV Berlin, der Betreuung und Schulung, zeigte er kontinuierlich großes Interesse und machte sich mit den außerordentlich hohen Anforderungen an einen Tschekisten vertraut.“ Holm sagt auf Nachfrage dazu: „Den Begriff des ,FDJ-Bewerber-Kollektivs’ höre ich zum ersten Mal.“

Aus der ungeschwärzten Stasi-Akte, die Holm selbst vorliegt, geht hervor, dass es zudem zwei Aussprachen zwischen ihm und der Stasi am 2. Juli 1986 und am 17. Mai 1988 gab. Holm begann dann mit 18 Jahren seine Offizierslaufbahn in der Wendezeit im September 1989 und absolvierte zunächst eine militärische Grundausbildung. Seine Stasi- Zeit endete 1990 mit dem Untergang der DDR-Geheimdienstpolizei. Holm beteuert, in der BV Berlin nur Betriebsberichte zusammengefasst und verfasst und keinem Oppositionellen geschadet zu haben. Aufschlüsse über seine genauen Tätigkeiten lassen die bisher zugänglichen Akten nicht zu.

Am Donnerstag erneuerte die Opposition ihre Kritik an der Berufung des parteilosen Stadtsoziologen durch die Linken-Bausenatorin Katrin Lompscher. CDU-Fraktionschef Florian Graf teilte dazu mit: „Andrej Holm wusste laut neuer Erkenntnisse aus seiner veröffentlichten Stasi-Akte offenbar von Anfang an, worauf er seine berufliche Zukunft in der damaligen DDR gründen wollte: die uneingeschränkte Unterstützung des Systems.“ Er sei deshalb schon lange nicht mehr tragbar. Holm steht wegen des Umgangs mit seiner Stasi-Vergangenheit auch in der neuen rot-rot-grünen Koalition unter Druck. Diese hatte sich aber auf Betreiben der Linken darauf verständigt, die erneute personalrechtliche Überprüfung Holms abzuwarten. Wie berichtet hatte der Gentrifizierungskritiker bei seiner Einstellung an der Humboldt-Uni 2005 keine Angaben zu seiner hauptamtlichen Stasi-Tätigkeit gemacht und stattdessen einen Wehrdienst im Stasi-Wachregiment „Feliks Dzierzynski“ angegeben. Holm hat bis zum Montag Zeit, gegenüber der Uni Stellung zu nehmen. Danach will diese zeitnah entscheiden – an der Bewertung hängt auch das politische Schicksal von Holm.

Am heutigen Freitag stellt sich Holm einer öffentlichen Debatte um seine Vergangenheit. Am Abend diskutiert er ab 19 Uhr mit dem Historiker und Stasi-Experten Ilko-Sascha Kowalczuk im Kulturzentrum Sebastian Haffner (Prenzlauer Allee 227–228; freier Eintritt). Die Veranstalter rechnen mit einem hohen Besucherandrang. Robert Ide

Meinung, Seite 6

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